Geplant war ja, dass Sie liebe Leserinnen und liebe Leser, erst wieder von uns etwas zum Lesen bekommen, wenn hier der virtuelle Neujahrsempfang stattfindet.
Nun gab es aber während der Feiertage wieder einige Begegnungen und die damit verbundenen Tischgespräche. Ich möchte Sie auch dieses Jahr wieder etwas daran teilhaben lassen. Vielleicht amüsieren Sie sich genauso wie ich.
Zuerst gab es zwei kurze Einwürfe, die mich erheitert haben:
“Ohne dich wäre ich haltlos!” sagte die Tanne zum Christbaumständer.
“Die Walnuss geht mir echt auf den Keks!” sagte die Pfeffernuss zum Lebkuchen “Tag und Nacht wartet die auf ihren Knacker.”
Ja und dann hat noch jemand aus einem Buch vorgelesen:
“Morgens 9:45 Uhr. Ich kann die Menschen nicht verstehen, die ihre Weihnachtseinkäufe erst auf den letzten Drücker machen. Deshalb beginne ich schon am Heiligen Abend Vormittag mit meinen Besorgungen. Das Kaufhaus hat noch geschlossen, und ich stehe in einer Schlange von vielleicht eintausend Menschen, die genauso wie ich ihre Geschenke lieber zu früh als zu spät kaufen.
Das Kaufhaus öffnet, ich stehe in einer günstigeren Position als letztes Jahr, als ich fast am Ende der Schlange wartete und mit meinen Füßen fast auf Gleis 9 des Hauptbahnhofes stand.
Heute stehe ich so günstig, dass ich schon meine, das Dach des Kaufhauses sehen zu können.
Mittags 12:15 Uhr. Ich befinde mich in der zweiten Etage des Kaufhauses – Erdgeschoss und erster Stock sind bereits leer gekauft. In der Parfümerieabteilung konnte ich noch ein Deodorant für meinen lieben Mann auftreiben, einen halb leeren Testroller für 50 Euro.
14 Uhr in der dritten Etage. Ich habe ein Barbie-Maniküre-Set in der Hand und suche verzweifelt nach der dazugehörigen Barbie-Puppe.
Diese seien bereits vor einer Viertelstunde ausverkauft gewesen, erklärt mir die freundliche Verkäuferin. So schiebe ich 60 Euro über den Ladentisch und denke mir: Dieses Jahr das Maniküre-Set – nächstes Jahr die Puppe. Andere Kinder haben gar keine Eltern.
Meinem Sohn Michael möchte ich einen Fußball schenken, dann kommt mir der Gedanke, das könnte gegenüber seiner Schwester Marianne ungerecht sein, so entscheide ich mich für eine Fußballluftpumpe, den Ball gibt es ebenfalls nächstes Jahr.
Ich muss lächeln bei der Idee, Marianne könnte sich doch beim Spielen vorstellen, die Luftpumpe sei eine Barbie-Puppe und dass sie dann die Pumpe manikürt.
Mir wird warm ums Herz, welche Kinder besitzen noch so viel Fantasie?”
Der Text ist ein Auszug aus dem Buch “Bloß keinen Grießbrei an Heiligabend”; erschienen bei List für 8,99 Euro. Darin befindet sich die Geschichte “Weihnachten oder Möglichkeiten der Folter im 21. Jahrhundert” aus der der Text stammt.
Mich und die Weihnachtsgesellschaft hat der Text amüsiert. Wenn sie auch so schöne Anekdoten zu erzählen haben, nutzen Sie einfach die Kommentarmöglichkeit.
Matthias C. J. Dannhorn